Montag, 6. Juli 2009
Mahlzeit
Seit einer Woche denke ich über einen Radiobeitrag nach. In ihm wurde über einen zehnjährigen Jungen berichtet, der einmal die Woche zur Tafel mit seiner Mutter und Schwester essen geht. Ihm ist es egal was es dort zu essen gibt, hauptsache es ist warm und mit Nachtisch. Er freut sich über alle Gerichte und ißt seinen Teller ohne zu murren leer. Kein Gemotze, kein Mäkeln, nur Freude über eine warme Mahlzeit. Und plötzlich wird es ganz still in mir. Wie dankbar müßten wir eigentlich sein?! Wir können uns jeden Tag das Esssen leisten auf das wir Appetit haben. Wir müssen uns keine Sorgen über unsere Ernährung machen, es ist genug da. Es ist sogar soviel da, dass wir Nahrungsmittel vergessen und sie dann wegwerfen müssen. Manchmal sind wir so gesättig, dass wir einen großen Teil des Essens einfach wegwerfen, ohne darüber nach zu denken. Wir mäkeln so häufig über das Essen, aus nichtigen Kleinigkeiten heraus. Und dieser Junge freut sich die ganze Woche auf diese eine warme Mahlzeit! Ohne wenn und aber! In solchen Momenten schäme ich mich für meine Dekadenz. Klar, ich habe mir das erarbeitet, doch wie soll ein zehnjähriger Junge sich das Essen erarbeiten? Hatte ich dann nicht großes Glück mit meinen Eltern? Warum hat er nicht das Glück? Und wäre es dann nicht gerecht, wenn die Gesellschaft dafür sorgen würde, dass Kinder wie er jeden Tag eine warme Mahlzeit bekommen und für die Woche mit den nötigen Lebensmitteln ausgestattet werden? Wir sind doch dafür verantwortlich, dass jedes Kind die gleichen Chancen hat!
Dienstag, 9. Juni 2009
Männer
Herr L. und der Rest der Männerwelt, hatte sich für Samstag zu einem konspirativen Treffen bei einer Herrenschneiderkette verabredet. Unglaublich spannend! Ich war schwer beeindruckt! Erst wurden wir höflich eine Etage höher gebeten, nachdem Herr L. gebeichtet hatte, dass er - eigentlich wie immer (das Zerknirschtsein hat er sich schon perfekt antrainiert) - das Abholkärtchen verlegt hätte. Es täte ihm schrecklich leid. Die Dame lächelte ihn strahlend an, der Kollege würde sich gleich um ihn kümmern. Ab in die Parkposition! Was ich jetzt hier erlebte, dass ist wirklich reif für eine Dokumentation über das Sozialverhalten wartender Männer. In der Sitzecke saß bereits ein älteres Ehepaar, beide leicht übergewichtig und extrem angespannt. Sie flüsterte ihm zwischendurch etwas zu, er nickte es wohlwollend ab, nicht ohne kritisch den Ausgang der Umkleidekabinen zu begutachten. In diesen befand sich zu diesem Zeitpunkt ein kleiner Mann mit fertigem Anzug. Zwischendurch lugte er hervor, wie der Kuckuk beim 12 Uhr Schlag. Nach wiederholtem Gucken erschien immer noch kein Schneider und der kleine Mann trottete mit seinem Anzug von dannen. Neben mich gesellte sich jetzt ein Mittvierziger, seine Frau steuerte zielbewußt die Sitzecke an. Er sah immer schon kritisch auf die Uhr und dann auf sein Weib. Das vergnügte sich aber auf der Sitzecke und machte jetzt auch keine Anstalten sich weg zu bewegen. Nach ein paar Minuten hörte ich ein schmatzendes nagendes Geräusch neben mir. Ich sah erst Herrn L. an, man weiß ja nie. Doch er stand unschuldig neben mir. Den Blick zur anderen Seite ließ mich erstarren! Der Mittvierziger stand da und kaute geräuschvoll an seinen Fingernägeln! Klar das sich seine Begleiterin weggesetzt hatte. Und er hörte nicht auf! Es war so ekelig. Herr L. sah mich flehend an, dass ich doch bitte nichts sagen sollte. Ich drehte mich weg, aber in meinem Rücken schmatzte es immer noch! Jetzt betrat ein kleiner untersetzter, sportlich angezogener Herr die Etage. Natürlich mit seinem Abholkärtchen in der Hand, wichtig wedelnd. Er platzierte sich direkt vor dem Ausgang der Umkleidekabinen. Gut, man mußte den Blick schon senken, um ihn zu sehen, aber das machte sein Ego locker wett. Das ältere Ehepaar rührte sich murrend von der Sofaecke aus, blieb aber noch sitzen. Der Mittvierziger schmatzte fröhlich weiter. Ein weiterer Herr mit großer blonder Begleitung betrat die Etage und platzierte sich ebenfalls genau vor dem Ausgang. Der Mittvierziger hörte mal kurz auf zu knabbern . Das ältere Ehepar erhob sich geräuschvoll und steuerte den Ausgang der Umkleidekabinen an und ich sah Herrn L. an. Er grinste mich nur an und nickte Richtung Umkleidekabinen. Der kleine sportlich Mann drängelte sich jetzt ganz nach vorne, der Schmatzer schob sich ebenfalls nach vorne und selbst seine Frau erhob ihr Gesäß. Der Mann mit der großen Blonden blockierte weiterhin den Ausgang der Umkleidekabinen. Die Herren gruppierten sich jetzt um ihn. Herr L. und ich standen weiter abseits. Da, eine Schneiderin erschien in dem Gang. Alle, wirklich alle strömten auf sie zu. Das ältere Ehepaar drängelte sich an allen vorbei, und schnautzten die Frau an, dass ihre Daten gelöscht werden könnten, er wollte nicht mehr vermessen werden. Der kleine sportliche Mann warf sich in die Brust und rief, er wollte seinen Anzug abholen. Der mit der großen Blonden wedelte mit seinem Abholschein und nörgelte, er auch. Der Schmatzer erhielt jetzt Unterstützung von seiner Frau, sie schob ihn noch ein bisschen weiter nach vorne. Die Schneiderin lächelte und verschwand mit dem Satz, mein Kollege kommt gleich. Enttäuschte Gesichter! Ich sah Herrn L. an und hätte gerne getobt vor lachen. Herr L. grinste mich fröhlich an und lehnte sich bequem an das Geländer. Der Schmatzer kam zurück und knabberte fröhlich weiter an sich rum. Da, der Schneider betrat die Etage! Alle strömten jetzt auf ihn zu. Er sah jedoch nur Herrn L. und mich an und bewegte sich im Raum auf uns zu. Der kleine sportliche versuchte sich noch in seine Bahn zu werfen und die Frau vom Schmatzer sagte etwas von, wir sind dann die nächsten, doch er stellte sich vor uns. Sie sind doch jetzt dran, oder? Wir grinsten und nickten. Die anderen Herren ließen wir zurück und betraten die Umkleidekabinen.
Herr L. sieht im Anzug wirklich sehr lecker aus, das Warten hat sich also gelohnt. Doch wer hätte gedacht, dass Männer sich so benehmen?! Ich nicht! Kleine Gockel auf dem Hühnerhof. Doch wenn sie nicht aufpassen, holt sie der Wiener Wald schneller als ihnen lieb ist!
Herr L. sieht im Anzug wirklich sehr lecker aus, das Warten hat sich also gelohnt. Doch wer hätte gedacht, dass Männer sich so benehmen?! Ich nicht! Kleine Gockel auf dem Hühnerhof. Doch wenn sie nicht aufpassen, holt sie der Wiener Wald schneller als ihnen lieb ist!
Montag, 1. Juni 2009
Umkleidekabinen
Müde, geschafft und bleicht, jedoch todesmutig betrat ich den H&M! Nur mal kurz gucken, dachte ich, vielleicht ein nettes T-Shirt, oder eine nette Sommerhose, oder einen netten Rock. Der vorhandenen Blähbauch, der bestimmt auch nicht mit dem viel beworbenen Yogurt verschwindet, wird einfach ignoriert. Ist ja schließlich mein erster Urlaubstag, der muß gewürdigt werden. Also ab zu den Kleiderständern! Bluse, Hose, T-Shirt locker über den Arm gehängt und langsam zwischen den anderen suchenden Frauen Richtung Kabine geschlendert. Oh, auf Anhieb war eine frei. Und damit, damit begann das ganze Unheil! Ich wußte garnicht, dass ich anscheinend nur noch aus Dellen in Mondkratergröße bestehe! Oben, Unten, Rechts und Links, nur Dellen! Nur Dellen! Und als ob das nicht reichen würde, winkte aus dem Hinterhalt noch eine neue, strahlend blau leuchtende Krampfader. Wenn das Höckerchen nicht von den Kleidungsstücken belegt gewesen wäre, dann hätte ich mich setzten können, so mußte ich das Grauen stehend ertragen. Die H&M Umkleidekabinen sind doch frauenfeindlich! Wie kann dieses Unternehmen mit einer solchen Beleuchtung überhaupt ein Kleidungsstück verkaufen? Von Schön ist frau in diesen Kabinen so weit entfernt! Mein Selbstbewußtsein sank in sekunenschnelle in den dreistelligen Minusbereich. Heute kein T-Shirt, keinen Rock und auch keine Hose! Ganz schnell den Blähbauch in die Strechjeans verpackt und raus hier! Nur noch nach Hause in die Jogginghose, mit einer riesen Portion Eis auf das Sofa! Es gibt nämlich auch einen Onlineshop, ohne Umkleidekabinen.
Montag, 18. Mai 2009
Sehr schön
Wenn Du Dein Leben ändern willst...
... beginne sofort damit!
... tue es im großen Stil!
... AUSNAHMSLOS!
( William James)
... beginne sofort damit!
... tue es im großen Stil!
... AUSNAHMSLOS!
( William James)
Strassenfest
Gestern Morgen gab ich mir wirklich Mühe! Mühe nicht aufzustehen. Herr L. wollte ein Strassenfest besuchen und es regnete! Wer will denn da im Regen hin? Richtig, ich auch nicht! Zur Mittagszeit konnte ich mich dann nicht mehr drücken, es klarte auf. War das da voll! Sehr spannend fand ich die Menschen, die sich mit uns durch die enge Strasse schoben. Pseudointellektuelle, aber von der großartigsten Sorte, die Feinstrickdamen, perfekt geschminkt mit Perlenohringen und Twinset, gestresste Mütter mit quängelnden Kindern, ältere , lustig guckende Herren, ein etwas kachhektischen älteren Strassenmusiker mit dreckiger Jeans und Rastafarimenschen. Hinter uns ein Mann mit einem Pappmascheekunstobjekt. Er nannte es immer wieder Schwein. Es sah sehr bunt aus, hatte eine spitze Schnauze und sehr spitze Ohren, die mir in den Rücken piekten.Aber es war kein Schwein! Das Schwein gab es dann als Spanferkelbrötchen, neben dem Stand mit dem politisch motivierten Kleingebäck. Falls diese Muffins Wähler mobilisieren sollten, ist das doch gründlich daneben gegangen. Als Pflastersteinersatz, auf einer linksradikalen autonomen Demo, hätten sie ihre Aufgabe mit Bravour erfüllt. Doch so dürfte es sehr knapp für die Partei werden. Herr L. spendierte mir zum Abschluss noch ein Eis und dann ging es auch schon wieder nach Hause. Es war ein schöner Tag!
Freitag, 15. Mai 2009
Parkmedallie
Kein Parkplatz auf der Strasse frei und auf der Zufahrt zum Supermarkt stauen sich die Autos schon zurück. Eigentlich möchte ich doch nur Brötchen. Gut, die fünf Minuten im eingeschränktem Halteverbot werden nicht auffallen. Wagen parken, aussteigen , abschließen. Drinnen die Brötchen einkaufen und kurz mit der Verkäuferin über das Wetter und das nahende Wochenende reden. Danach wieder zum Auto. Mein Auto stand ganz alleine im eingeschränkten Halteverbot. Wo vorher wirklich noch so viele andere Autos standen, jetzt gähnende Leere. Och, dachte ich, die waren mit ihren Einkäufen schneller als ich. Jetzt aber nach Hause. Doch dann viel mir der große weiße Abbiegepfeil auf dem Asphalt vor meinem Auto auf. Ich hatte meinen Wagen auf der Abbiegespur geparkt! Deshalb standen dort soviele andere Autos!
Zu Hause wählte ich dann aber die passende Einfahrt und ich sitze auch auf dem richtigen Sofa mit dem richtigen Mann, bis jetzt.
Zu Hause wählte ich dann aber die passende Einfahrt und ich sitze auch auf dem richtigen Sofa mit dem richtigen Mann, bis jetzt.
Montag, 11. Mai 2009
Tanken
Die kleine orange Tankanzeige blink bedrohlich! Höchste Zeit an einer Tankstelle zu halten und zu tanken! Mein kleiner silbergrauer Corsa fährt wie auf Schienen an die Zapfsäule, in froher Erwartung auf Nachschub. Das Silbergrau scheint aber die falschen Signale zu senden, denn bei einer großen Tankstellenkette mit Tankwartservice wird mir schon vor dem Verlassen des Autos der Tankdeckel abgeschraubt und gönnerhaft beim Tanken geholfen. Ich werde nicht gefragt, wir werden betankt, der Corsa und ich. Die einzige Möglichkeit diesem Service zu entgehen ist entweder eine andere Tankstelle ansteuern oder wie der Blitz aus dem Auto aussteigen, um das Auto herum rennen und den Tankdeckel sichern!Mit dem 38er Gesäß den Spalt zwischen Auto und Tanksäule blockieren und möglichst unbeteiligt gucken. Den Zapfhahn gekonnt lässig, was bei manchen Schläuchen garnicht so einfach ist, aus der Säule zerren und in den Tankstutzen stopfen. Wenn man jetzt Glück hat ist er weg. Wenn man Pech hat kommt aus dem Off " Würden Sie bitte die Motorhaube öffnen, damit ich Öl und Wasser nachsehen kann?" Und das, meine Tankwartfreunde, ist dann der Zeitpunkt bei dem es mir definitiv zu viel wird! Ich will doch nur tanken! Öl und Wasser kontrolliere ich seit ungefähr sechzehn Jahren erfolgreich selber und bin auch fähig diese beiden Verbrauchsstoffe nach zufüllen. Jetzt kommt ein " Möchten Sie nicht die Motorhaube öffnen?"
Wie wäre es denn wenn ihr Tankwarte mal erst fragen würdet und dann erst fremde Autos anfasst? Das würde die Situation doch erheblich entspannen! Ein nettes, Kann ich Ihnen helfen oder Soll ich Ihnen das heute mal abnehmen, wäre fantastisch! Das konnte ich aber bisher nur bei Männer beobachten, Frauen wurden direkt zum Service genötigt.
Ein knappes " Nein!", meinerseits lässt ihn dann abziehen.
Ich kann dazu nur eins sagen : Erlebniswelt Tankstelle!
Wie wäre es denn wenn ihr Tankwarte mal erst fragen würdet und dann erst fremde Autos anfasst? Das würde die Situation doch erheblich entspannen! Ein nettes, Kann ich Ihnen helfen oder Soll ich Ihnen das heute mal abnehmen, wäre fantastisch! Das konnte ich aber bisher nur bei Männer beobachten, Frauen wurden direkt zum Service genötigt.
Ein knappes " Nein!", meinerseits lässt ihn dann abziehen.
Ich kann dazu nur eins sagen : Erlebniswelt Tankstelle!
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