Gestern Abend, in trauter Zweisamkeit auf dem heimischen Sofa.
Herr L. liest in einem Buch. Ich stopfe mir den missglückten Kuchen in den Mund und überlege ob ich nicht gleich schon schlafen gehe. Plötzlich wird es neben mir hektisch.Verwirrt schaue ich nach rechts und überlege kurz ob ich den Kuchen nicht an Herrn L. abschieben könnte. Er ist übrigens co-schwanger, mit allem was dazu gehört.Herr L. sieht mich jetzt ganz interessiert an. Ich lächele zurück, schließlich will ich ja den scheusslichen Kuchen los werden.
"Nina, wir müssen Dir aber eine Tasche packen, falls Du da bleiben mußt. Nur für den Notfall."
Verwirrt sehe ich ihn an.Mein Plan war in erster Linie die Abschiebung des Kuchens.
"Wenn die Erbse kommt, dann kannst Du doch nicht ohne irgendwelche Toilettenartikel und Wechselklamotten im Krankenhaus bleiben, wenn Du dableiben mußt."
Jetzt vestand ich! Herr L. liest den Schwangerschaftsratgeber!
"Bitte?" fragte ich.
"Du sollst ja nicht dableiben, aber wenn doch, dann brauchst Du eine gepackte Tasche."
Den Kuchen war ich immer noch nicht los, aber dafür hatte ich ein neues Problem. Den Schwangerschaftsratgeber lesenden Herrn L.. In dieses Ding hatte ich einmal reingeschaut. Ich wollte wissen wie lange man Muttermilch einfrieren kann.
"Oh, sieh mal, hier ist ein Geburtshocker abgebildet!" Herr L. war ganz bei der Sache.
"Ja, ich weiß wie der aussieht."
Herr L. lächelte mich an. Ich lächelte zurück. Sie wissen, der Kuchen.
Nutzte aber nichts.Dafür wurde es neben mir wieder sehr unruhig.
"Nina, weißt Du was hier steht?"
"Nein.Warum?"
"Für die Begleitperson soll Verpflegung mitgenommen werden.Für mich!"
Oh,Jubel, dann fangen wir doch erst mal mit dem schrecklichen Kuchen an!
Ich lächelte nett und versuchte meinen Teller Richtung Herr L. zu schieben.
Er reagierte darauf leider nicht.
"Wie lange dauert so was denn? Aber wenn Du da stundenlang in den Wehen liegst, dann ist ein bisschen was zu essen ja nicht schlecht."
Mittlerweile stopfte ich mir den Kuchen in den Mund und guckte leicht säuerlich.
Stundenlang! Und er sitzt neben mir und schmatzt?
Wir bekommen ein Kind und veranstalten dabei ein Picknick.
Die Geburt als kulinarisches Event!
"Vielleicht geht das auch alles ganz schnell. Die Tochter von der Tante Hannelore, die hat ihr Kind ganz schnell bekommen."
Herr L. sieht mich etwas enttäuscht an.
Nicht wegen der schnellen Geburt, sondern wegen dem gerade entgangenen Lunchpaket.