Samstag, 11. Juli 2009

Alt-Herren-Gedeck

Karl-Heinz hat einen, der Willi auch und der Gustav erst recht. Einen dicken fetten Benz! Natürlich gab es den serienmäßig mit gehäkeltem Klorollenmuff, Schlägerkäppie und eingebauter Vorfahrt. Über Hämorriedenbeschwerden klagt da niemand mehr, die Sitze sind so weich und die Federung so galant, da schwebt man über den Asphalt. Die Farben sind dezent dem älteren Baujahr der Besitzer angepasst und bewegen sich zwischen Racinggreen und Weinrot, das sportive Silbergrau nicht zu vergessen. Das es da mal schnell passiert, dass der passionierte Fahrer den restlichen Kleinwagenpöbeln auf den Strassen übersieht, ist doch mehr als verständlich. Oder liegt es vielleicht an dem fortgeschrittenen Alter des Fahrers und den damit einhergehenden Gebrechen, wie zum Beispiel eine Sehfeldeinschränkung? Aber die eingebaute Vorfahrt richtet das Verkehrsproblem schon. Dass Karl-Heinz, Willi und Gustav das Verkehrsproblem darstellen, das wäre eine böse Vermutung. Denn alle drei fahren schon 60 Jahre unfallfrei, nicht zusammen, sondern jeder. Und gibt es denn keinen Respekt mehr vor dem Alter und für dessen Verdienste? Da ist es doch wirklich nicht zu viel verlangt, mal die Vorfahrt abzugeben oder als Fußgänger zur Seite zu springen, die Jugend ist doch noch so schön beweglich! Ja, Karl-Heinz, Willi und Gustav, bis sie dann wegen solcher verkehrsuntauglichen Greise wie euch mit einer Querschnittslähmung im Krankenhaus liegt und sicher nicht euer biblisches Alter erreichen wird, dafür habt ihr dann schon gesorgt.

Donnerstag, 9. Juli 2009

Heimwerken

Schön sieht der Holzboden aus, auch aus dieser Perspektive, im Vierfüßler-Stand. Leider klebt er immer noch. Eigentlich wollte ich nur diese Schleifmaschine wegpacken und Herrn L. zu Parkett überreden, doch so weit bin ich leider nicht mehr gekommen. Statt dessen befinde ich mich jetzt schimpfend in dieser Stellung. Herr L. und Herr J-H. sehen mich verwundert an und grinsen anzüglich! Meine Herren, da gibt es nichts zu grinsen! Das ist ein Notlage! Ich komme nicht mehr in die Senkrechte und schimpfe aus vollem Herzen! Was tut das weh! Herr L. will mich aufheben. Nein, dass hätte er sich eher überlegen sollen, jetzt möchte ich nicht getragen werden, nein, auch nicht von Herrn J-H., als ob das einen Unterschied macht! Packt mich irgendjemand an, dann werde ich zur Furie! Sie sollen sich bitte Richtung Parkettmarkt bewegen, ohne großes Aufsehen! Verschwinden sollen sie! Ich will alleine leiden, ohne hilflose Männer! Verschreckt trollen sie sich in einen anderen Raum. Ich lege mich zwischen Ikea Kortons auf die Erde. Knie anwinkeln und sch... tut das weh! Herr L. schlägt todesmutig die nah gelegene Ambulanz vor. Aber sicher, soweit kommt das noch! Mir von irgend einem Assistenten in meinen Sakralbereich stechen lassen, was soll das denn bitte?! Herr L. rollt mit den Augen. Auf meine Frage, ob er denn jetzt nicht Parkett kaufen wolle, antwortet er garnicht erst. Herr J-H. hält sich dezent zurück und fragt nur welche Farbe ich denn gerne hätte und dass ich mich nicht bewegen soll. Herr L. ist, glaube ich ,mit seinen Nerven am Ende und will sich nicht Richtung Parkettmarkt bewegen. Fadenscheinige Ausreden müssen herhalten, er könne kein helles Parkett aussuchen. Meine Frage, ob er denn nicht auch hier wohnen würde, ignoriert er gekonnt. Mittlerweile sitze ich auf einem Stuhl und überlege mir wie jetzt Parkett auf den Boden kommt, ohne den Umweg über die Ambulanz. Herr L. sieht wild entschlossen aus mich ärztlich versorgen zu lassen. Will ich aber nicht! Das geht gleich weg! Sie sollen gehen! Herr L. scheint zu verstehen, entlich, nach fast 30 Minuten. Unter Protest bewegen sich beide Richtung Parkettmarkt. Ich bewege mich vorsichtig Richtung Bett. Zwei Tabletten, einen Schal um die Hüften rolle ich mich zusammen und schlafe ein. Irgend wann taucht Herr L. auf und zeigt mir das Parkett. Es sieht wunderschön aus. Leider mag ich nur nicht wieder die Treppe runter gehen und es mir Live und in Farbe ansehen, aber morgen.
Heute Morgen bin ich ganz vorsichtig runter gegangen, es tut immer noch richtig weh. Aber das Parkett sieht so fantastisch aus! Danke Herr J-H. und Herr L., ihr seid die aller Besten!

Montag, 6. Juli 2009

Mahlzeit

Seit einer Woche denke ich über einen Radiobeitrag nach. In ihm wurde über einen zehnjährigen Jungen berichtet, der einmal die Woche zur Tafel mit seiner Mutter und Schwester essen geht. Ihm ist es egal was es dort zu essen gibt, hauptsache es ist warm und mit Nachtisch. Er freut sich über alle Gerichte und ißt seinen Teller ohne zu murren leer. Kein Gemotze, kein Mäkeln, nur Freude über eine warme Mahlzeit. Und plötzlich wird es ganz still in mir. Wie dankbar müßten wir eigentlich sein?! Wir können uns jeden Tag das Esssen leisten auf das wir Appetit haben. Wir müssen uns keine Sorgen über unsere Ernährung machen, es ist genug da. Es ist sogar soviel da, dass wir Nahrungsmittel vergessen und sie dann wegwerfen müssen. Manchmal sind wir so gesättig, dass wir einen großen Teil des Essens einfach wegwerfen, ohne darüber nach zu denken. Wir mäkeln so häufig über das Essen, aus nichtigen Kleinigkeiten heraus. Und dieser Junge freut sich die ganze Woche auf diese eine warme Mahlzeit! Ohne wenn und aber! In solchen Momenten schäme ich mich für meine Dekadenz. Klar, ich habe mir das erarbeitet, doch wie soll ein zehnjähriger Junge sich das Essen erarbeiten? Hatte ich dann nicht großes Glück mit meinen Eltern? Warum hat er nicht das Glück? Und wäre es dann nicht gerecht, wenn die Gesellschaft dafür sorgen würde, dass Kinder wie er jeden Tag eine warme Mahlzeit bekommen und für die Woche mit den nötigen Lebensmitteln ausgestattet werden? Wir sind doch dafür verantwortlich, dass jedes Kind die gleichen Chancen hat!

Dienstag, 9. Juni 2009

Männer

Herr L. und der Rest der Männerwelt, hatte sich für Samstag zu einem konspirativen Treffen bei einer Herrenschneiderkette verabredet. Unglaublich spannend! Ich war schwer beeindruckt! Erst wurden wir höflich eine Etage höher gebeten, nachdem Herr L. gebeichtet hatte, dass er - eigentlich wie immer (das Zerknirschtsein hat er sich schon perfekt antrainiert) - das Abholkärtchen verlegt hätte. Es täte ihm schrecklich leid. Die Dame lächelte ihn strahlend an, der Kollege würde sich gleich um ihn kümmern. Ab in die Parkposition! Was ich jetzt hier erlebte, dass ist wirklich reif für eine Dokumentation über das Sozialverhalten wartender Männer. In der Sitzecke saß bereits ein älteres Ehepaar, beide leicht übergewichtig und extrem angespannt. Sie flüsterte ihm zwischendurch etwas zu, er nickte es wohlwollend ab, nicht ohne kritisch den Ausgang der Umkleidekabinen zu begutachten. In diesen befand sich zu diesem Zeitpunkt ein kleiner Mann mit fertigem Anzug. Zwischendurch lugte er hervor, wie der Kuckuk beim 12 Uhr Schlag. Nach wiederholtem Gucken erschien immer noch kein Schneider und der kleine Mann trottete mit seinem Anzug von dannen. Neben mich gesellte sich jetzt ein Mittvierziger, seine Frau steuerte zielbewußt die Sitzecke an. Er sah immer schon kritisch auf die Uhr und dann auf sein Weib. Das vergnügte sich aber auf der Sitzecke und machte jetzt auch keine Anstalten sich weg zu bewegen. Nach ein paar Minuten hörte ich ein schmatzendes nagendes Geräusch neben mir. Ich sah erst Herrn L. an, man weiß ja nie. Doch er stand unschuldig neben mir. Den Blick zur anderen Seite ließ mich erstarren! Der Mittvierziger stand da und kaute geräuschvoll an seinen Fingernägeln! Klar das sich seine Begleiterin weggesetzt hatte. Und er hörte nicht auf! Es war so ekelig. Herr L. sah mich flehend an, dass ich doch bitte nichts sagen sollte. Ich drehte mich weg, aber in meinem Rücken schmatzte es immer noch! Jetzt betrat ein kleiner untersetzter, sportlich angezogener Herr die Etage. Natürlich mit seinem Abholkärtchen in der Hand, wichtig wedelnd. Er platzierte sich direkt vor dem Ausgang der Umkleidekabinen. Gut, man mußte den Blick schon senken, um ihn zu sehen, aber das machte sein Ego locker wett. Das ältere Ehepaar rührte sich murrend von der Sofaecke aus, blieb aber noch sitzen. Der Mittvierziger schmatzte fröhlich weiter. Ein weiterer Herr mit großer blonder Begleitung betrat die Etage und platzierte sich ebenfalls genau vor dem Ausgang. Der Mittvierziger hörte mal kurz auf zu knabbern . Das ältere Ehepar erhob sich geräuschvoll und steuerte den Ausgang der Umkleidekabinen an und ich sah Herrn L. an. Er grinste mich nur an und nickte Richtung Umkleidekabinen. Der kleine sportlich Mann drängelte sich jetzt ganz nach vorne, der Schmatzer schob sich ebenfalls nach vorne und selbst seine Frau erhob ihr Gesäß. Der Mann mit der großen Blonden blockierte weiterhin den Ausgang der Umkleidekabinen. Die Herren gruppierten sich jetzt um ihn. Herr L. und ich standen weiter abseits. Da, eine Schneiderin erschien in dem Gang. Alle, wirklich alle strömten auf sie zu. Das ältere Ehepaar drängelte sich an allen vorbei, und schnautzten die Frau an, dass ihre Daten gelöscht werden könnten, er wollte nicht mehr vermessen werden. Der kleine sportliche Mann warf sich in die Brust und rief, er wollte seinen Anzug abholen. Der mit der großen Blonden wedelte mit seinem Abholschein und nörgelte, er auch. Der Schmatzer erhielt jetzt Unterstützung von seiner Frau, sie schob ihn noch ein bisschen weiter nach vorne. Die Schneiderin lächelte und verschwand mit dem Satz, mein Kollege kommt gleich. Enttäuschte Gesichter! Ich sah Herrn L. an und hätte gerne getobt vor lachen. Herr L. grinste mich fröhlich an und lehnte sich bequem an das Geländer. Der Schmatzer kam zurück und knabberte fröhlich weiter an sich rum. Da, der Schneider betrat die Etage! Alle strömten jetzt auf ihn zu. Er sah jedoch nur Herrn L. und mich an und bewegte sich im Raum auf uns zu. Der kleine sportliche versuchte sich noch in seine Bahn zu werfen und die Frau vom Schmatzer sagte etwas von, wir sind dann die nächsten, doch er stellte sich vor uns. Sie sind doch jetzt dran, oder? Wir grinsten und nickten. Die anderen Herren ließen wir zurück und betraten die Umkleidekabinen.
Herr L. sieht im Anzug wirklich sehr lecker aus, das Warten hat sich also gelohnt. Doch wer hätte gedacht, dass Männer sich so benehmen?! Ich nicht! Kleine Gockel auf dem Hühnerhof. Doch wenn sie nicht aufpassen, holt sie der Wiener Wald schneller als ihnen lieb ist!

Montag, 1. Juni 2009

Umkleidekabinen

Müde, geschafft und bleicht, jedoch todesmutig betrat ich den H&M! Nur mal kurz gucken, dachte ich, vielleicht ein nettes T-Shirt, oder eine nette Sommerhose, oder einen netten Rock. Der vorhandenen Blähbauch, der bestimmt auch nicht mit dem viel beworbenen Yogurt verschwindet, wird einfach ignoriert. Ist ja schließlich mein erster Urlaubstag, der muß gewürdigt werden. Also ab zu den Kleiderständern! Bluse, Hose, T-Shirt locker über den Arm gehängt und langsam zwischen den anderen suchenden Frauen Richtung Kabine geschlendert. Oh, auf Anhieb war eine frei. Und damit, damit begann das ganze Unheil! Ich wußte garnicht, dass ich anscheinend nur noch aus Dellen in Mondkratergröße bestehe! Oben, Unten, Rechts und Links, nur Dellen! Nur Dellen! Und als ob das nicht reichen würde, winkte aus dem Hinterhalt noch eine neue, strahlend blau leuchtende Krampfader. Wenn das Höckerchen nicht von den Kleidungsstücken belegt gewesen wäre, dann hätte ich mich setzten können, so mußte ich das Grauen stehend ertragen. Die H&M Umkleidekabinen sind doch frauenfeindlich! Wie kann dieses Unternehmen mit einer solchen Beleuchtung überhaupt ein Kleidungsstück verkaufen? Von Schön ist frau in diesen Kabinen so weit entfernt! Mein Selbstbewußtsein sank in sekunenschnelle in den dreistelligen Minusbereich. Heute kein T-Shirt, keinen Rock und auch keine Hose! Ganz schnell den Blähbauch in die Strechjeans verpackt und raus hier! Nur noch nach Hause in die Jogginghose, mit einer riesen Portion Eis auf das Sofa! Es gibt nämlich auch einen Onlineshop, ohne Umkleidekabinen.

Montag, 18. Mai 2009

Sehr schön

Wenn Du Dein Leben ändern willst...

... beginne sofort damit!

... tue es im großen Stil!

... AUSNAHMSLOS!

( William James)

Strassenfest

Gestern Morgen gab ich mir wirklich Mühe! Mühe nicht aufzustehen. Herr L. wollte ein Strassenfest besuchen und es regnete! Wer will denn da im Regen hin? Richtig, ich auch nicht! Zur Mittagszeit konnte ich mich dann nicht mehr drücken, es klarte auf. War das da voll! Sehr spannend fand ich die Menschen, die sich mit uns durch die enge Strasse schoben. Pseudointellektuelle, aber von der großartigsten Sorte, die Feinstrickdamen, perfekt geschminkt mit Perlenohringen und Twinset, gestresste Mütter mit quängelnden Kindern, ältere , lustig guckende Herren, ein etwas kachhektischen älteren Strassenmusiker mit dreckiger Jeans und Rastafarimenschen. Hinter uns ein Mann mit einem Pappmascheekunstobjekt. Er nannte es immer wieder Schwein. Es sah sehr bunt aus, hatte eine spitze Schnauze und sehr spitze Ohren, die mir in den Rücken piekten.Aber es war kein Schwein! Das Schwein gab es dann als Spanferkelbrötchen, neben dem Stand mit dem politisch motivierten Kleingebäck. Falls diese Muffins Wähler mobilisieren sollten, ist das doch gründlich daneben gegangen. Als Pflastersteinersatz, auf einer linksradikalen autonomen Demo, hätten sie ihre Aufgabe mit Bravour erfüllt. Doch so dürfte es sehr knapp für die Partei werden. Herr L. spendierte mir zum Abschluss noch ein Eis und dann ging es auch schon wieder nach Hause. Es war ein schöner Tag!